Ich lebe seit 1980 in München. 10 Jahre habe ich in der Humboldtstraße gewohnt, seit 1990 wohne ich am Röckl Platz und seit 1987 betreibe ich ein Modegeschäft.

Für mich persönlich ist es total wichtig mit anderen Menschen außerhalb der Familie und Freunden in Kontakt zu kommen. Ich brauche das. Manchmal wenn ich am Café vorbei komme und jemanden sitzen sehe, setze ich mich schnell dazu für ein paar Sätze. Ich mag diese kleinen Unterhaltungen zwischendurch.

Aber auch hier ändert sich einiges. Früher kannte ich alle, aber inzwischen sind viele weggezogen weil die Mieten zu teuer wurden und die nach kommen sind einfach jünger. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, kommt man nicht mehr so leicht in Kontakt mit den Menschen.

Ich habe das Geschäft hier 30 Jahre lang alleine betrieben, da meine Näherinnen außerhalb arbeiten, aber das wollte ich jetzt nicht mehr länger und habe eine Alternative gesucht. Durch Zufall hab ich eine Partnerin gefunden und wir haben zu dem Geschäft noch ein Café aufgemacht. Das ist total nett, denn jetzt trauen sich die Leute von der Straße hier rein und lernen sich hier kennen. Wir machen auch kleine Veranstaltungen. Z. B. hatten wir Musikveranstaltungen, eine Ölverkostung oder Mode Vorführungen. Auch kleine Frauengruppen treffen sich hier, denen wir dann auch eine Verkostung anbieten. Das trägt zu einem Miteinander in diesem Viertel bei.

Ein sehr gutes Miteinander ist bei der Münchner Angst Selbsthilfe MASH in der Bayerstraße. Dort treffen sich jeden Abend zehn bis zwölf Leute und reden offen über ihre Probleme. Ich leite da eine Gruppe. Dort können die Menschen sich auf Augenhöhe unterhalten mit anderen mit gleichen Schwierigkeiten und nicht nur mit einem Psychiater, der einem erklärt worunter man leidet. Das ist ganz wichtig.

Die Menschen heute interagieren nicht mehr so viel miteinander. Jeder ist nur noch auf sich konzentriert und schottet sich ab. Gerade die jungen Leute sind nur noch auf ihr Handy konzentriert und nehmen die Nachbarn nicht mehr richtig wahr. Und irgendwann schaffen sie es gar nicht mehr zu Kontakten und vereinsamen und dann kommen die Depressionen und Angststörungen.

Das ist ein Appell an alle Leute mit zu machen und offener zu sein und mal mit jemandem reden, nur um des Redens willen, ohne dass man etwas braucht.

Juni 2018 mb/lr

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