In meinem Viertel, Stadtteil Nymphenburg, lebe ich schon seit über 50 Jahren. Ich engagiere mich gern ehrenamtlich sozial, und deshalb bin ich auch heute bei dem Stiftungs-Frühling. Ich suche Sponsoren für ein mongolisches Entwicklungshilfe-Projekt. Das Projekt habe ich über SES (Senioren Experten Service) von der „Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit“ in Bonn vermittelt bekommen und beteilige mich nun schon seit 3 Jahren daran.

Die Bevölkerungszahl der Mongolen ist ja sehr gering - nur 3 Millionen, und sie kriegen pro Kopf die höchsten Entwicklungs-Ausgaben der Welt. Sie haben große Probleme seit dem Umbruch, Anfang der Neunziger. Nachdem die Sowjetunion sich aufgelöst hat, mussten sie selbständig werden, und mit dieser Selbstständigkeit tun sie sich wahnsinnig schwer.

Ein psychologisches Institut hat versucht mongolische Familien zu coachen, damit sie in die Neuzeit geführt werden, denn Alkoholismus, Alleinerziehende, Scheidungsrate, Straßenkinder - erreicht ein extrem hohes Niveau. Allerdings war man dann leider mit der Situation konfrontiert, dass, wenn sie einen Regierungsauftrag bekamen, durch die Korruption ein Großteil der Mittel unterwegs hängengeblieben ist. Als Beispiel: wenn wir ein Seminar in der Prärie mit 20 Familien durchführen, dann stellen uns die Organisatoren vor Ort 20.000 Euro in die Rechnung, wovon hinterher aber nur 10.000 an die beauftragten Dienstleiter wandert, weil der Rest unterwegs versickert. Darum suchen wir nach Sponsoren, die uns hier zusätzlich unterstützen können.

Außerhalb des Projekts engagiere ich mich mit rechtlichen Betreuungen, sprich Vormundschaften. Momentan habe ich 5 an der Zahl, und das mache ich seit knapp 20 Jahren. Es gibt inzwischen ein Gesetz, das vorsieht, dass die Vormundschaften nun von Ehrenamtlichen übernommen werden sollen, weil die Berufsbetreuer die Leute erst gar nicht mehr kennenlernen können. Sie haben jeder um die 100 Fälle und können ihre Betreuten kaum besuchen. Ich dagegen besuche sie alle 14 Tage dahin, bringe ihnen ein bisschen Obst und Schokolade und quatsche mit ihnen - diesen Kontakt haben sie halt sonst nicht. Und ich mache das sehr gerne.

Das Engagement in meinem Viertel hält sich in Grenzen. Denn bei uns gibt es zumeist viele alte Damen, also alte reiche Witwen, die dann eben nicht mehr so fit sind. Aber es gibt kulturelle Einrichtungen für alte Leute, an denen sich manche beteiligen. Es gibt zum Beispiel ein Service Center, in dem drei von meinem Bekanntenkreis tätig sind, und die engagieren sich dort auch ganz gut.

München würde ich grundsätzlich mehr Investition in die Bildung wünschen. Dass jeder nach seinen Möglichkeiten optimal gefördert wird. Zum Beispiel, ein Lehrling, den ich nebenbei betreue, hat Schwierigkeiten mit dem Lehrstoff in der Berufsschule. Er ist auch Autist, wohnt in der Wohngemeinschaft und braucht die Unterstützung sehr. In Finnland oder Skandinavien ist Eins-zu-eins-Betreuung von Lehrer bzw. Pädagoge und einem Kind üblich, vor allem wenn es Schwächen zeigt - dann wird es noch intensiver gefördert. Und das finde ich super. Das fehlt bei uns noch lange - da ist noch ein weiter Weg hin.

März 2019 mb/sk

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