Für mich als gebürtigen Münchner, ist der gute Kontakt zu den Leuten in meinem Viertel extrem wichtig. Im Westend, wo ich seit über 30 Jahren wohne, erlebe ich ein sehr buntes und vielfältiges Miteinander – vom Einkauf beim Falafel-Bäcker bis zum Pasta essen beim Italiener, wo ich mit dem sizilianischen Kellner seit 25 Jahren auf Du und Du bin. Gerade dieses Miteinander im Viertel, quer durch die verschiedenen Nationen, finde ich toll.

Aber ich möchte ganz gern nicht nur über Positives, sondern auch über Negatives berichten. Was mich wahnsinnig nervt, ist der Verkehr im Viertel und in ganz München.

Zum Beispiel gibt es oft verstopfte Kreuzungen, was absolut vermeidbar wäre. Viele fahren in eine Kreuzung ein und stellen sich mitten rein. Der ganze Querverkehr wird damit aufgehalten – aber keinen interessiert‘s! Viele sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Da verstehe ich die Mitbürger ab und zu wirklich nicht mehr... und noch weniger, wenn durch die Tempo-30-Zonen, die im Westend mehrheitlich den Verkehr regeln, die Leute mit 50-60 km/h durchfahren, dann noch mit einer Hand irgendwo am Tablet oder Smartphone rumtippen und Radfahrer und Fußgänger ignorieren. Gerade als Radfahrer ist man oft mit einem Bein im Krankenhaus. Da klafft es irgendwie auseinander: Es ist kein Miteinander, es ist ein Gegeneinander!

Die Verkehrsregelung ist natürlich auch eine Sache der Stadtbehörden. Wir haben beispielsweise vor 50 Jahren von der autogerechten Stadt geredet und leider erkennt man immer noch die Tendenz, dass dem Autoverkehr ein großer Vorrang eingeräumt wird – und das sage ich auch als Autofahrer. Der Radverkehr ist hingegen in der Vergangenheit absolut vernachlässigt worden, auch unter der rot-grünen Stadtregierung. Da konnten sich die Grünen nicht durchsetzen und nun haben wir den Salat.

Und heutzutage – unter quasi Schwarz-Grün – wird es auch nicht besser, sondern eher schlechter. Fußgänger- und Radverkehr wird weiterhin benachteiligt. Ein paar Flächen auf der Fahrbahn rot anzustreichen, das reicht einfach nicht!

Aber, es ist natürlich nicht das einzige Thema, das ein Miteinander im Westend herausfordert.

Es gibt ja bezüglich Toleranz eine ziemlich große Spaltung in der Gesellschaft und das wirkt sich natürlich auch auf das Viertel aus. Man kriegt beispielsweise mit, dass es Widerstände gegen temperamentvolle Südländer gibt, die manchmal in der Nacht um zwei ziemlich laut sind, was dann eben zu Diskussionen führt.

Oder es geht um die Substitutionsklinik, wo Drogenabhängige behandelt werden und daher auch im Viertel unterwegs sind - das gehört einfach mal dazu. Oder die Treber, die beispielsweise im Gollierpark ihre Weinflaschen aufmachen. Wobei ich meine – auch das gehört dazu. Wir haben heute eben auch arme Leute, die vielleicht mal aus ihrer Wohnung rausgehen und sich draußen treffen wollen oder die Bewohner aus den vielen Single-Haushalten, die es in München gibt. Es ist wichtig, sich im öffentlichen Raum zu treffen.

Ich finde es auch toll, dass die Bezirksausschüsse hier bemüht sind, die Leute zusammenzubringen und für ein Miteinander zu sorgen. Es gibt bei uns im Westend beispielsweise das Griechische Haus als einen Treffpunkt. Vom Bezirksausschuss wird im Sommer eine Kulturwoche veranstaltet. Es gibt Open Westend, wo Künstlerateliers einen Tag der offenen Tür anbieten und das Köşk – ein Kulturzentrum, als Zwischennutzung der ehemaligen Stadtbibliothek, wo bei Konzerten, Lesungen und Ausstellungen die Bürger gerne zusammenkommen.

Daher wünsche ich mir für das Miteinander im Westend, dass es weiterhin so viele oder gerne auch noch mehr Veranstaltungen gibt, wo sich Leute treffen und ins Gespräch kommen. Es wäre gut, wenn die Bezirksausschüsse in den Stadtvierteln gestärkt werden und Geld in die Hand bekommen, um Stadtteilfeste und sonstige Möglichkeiten für Begegnung verwirklichen zu können.

November 2018 isch/sk

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