Ich wohne in Berngau bei Neumarkt in der Oberpfalz. Ich bin bevollmächtigter Kaminkehrermeister für den Kehrbezirk Laim und arbeite seit sechs Jahren in München. 

München ist für mich eine sehr schöne Stadt und ich genieße sie, vor allem wenn ich mit meiner Frau zum Entspannen hierher komm. Gleichzeitig ist München für mich sehr oberflächlich.

Geht man abends weg, dann geht es eher darum, was du hast, wo du wohnst und was du für ein Auto fährst. Es ist schön auf der einen Seite diese Leichtigkeit hier in der Stadt zu spüren, aber man hat auch das Gefühl, keiner denkt über das Morgen nach und wie man sich die Miete für nächsten Monat leistet.

Also ich bin lieber auf dem Weg nach Hause zu uns aufs Land - herrlich.

In meiner Arbeit genieß ich den Kontakt mit Menschen. Und ich finde es wichtig, dass die Menschen respektvoll miteinander umgehen sollen, egal wer mir gegenüber sitzt, egal wie alt und woher die Menschen kommen. Jeder Mensch hat eine Daseins-Berechtigung. Dennoch bin ich der Meinung, dass sozial benachteiligte Menschen hier in München wenige Chancen haben. Und an dieser Situation wird sich auch nichts ändern, denn das will München und seine Bewohner gar nicht. München genießt seinen Stellenwert.

Das Kaminkehrerhandwerk ist klassisch, traditionell. Wir genießen das Vertrauen der Menschen, da wir in deren Wohnräume gehen, das höchste Gut eigentlich, was die Menschen haben. Und ich fürchte, unsere Kunden wären misstrauisch, wenn wir geflüchtete Menschen dabei hätten. Also ich würde keinen Flüchtling einstellen. Weil ich Angst um meine Beruf hätte, und um das Ansehen. Ist böse den Menschen gegenüber, ich weiß, aber wir haben keine Nachwuchsprobleme, deshalb können wir uns auch den Luxus leisten.

Juni 2017 km/pb

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